„Dieser Reiz motiviert mich zusätzlich!“

Der Heimweltcup in Innsbruck ist in den Gedanken von Paraclimber Angelino Zeller schon fest verankert. Nach intensiven Vorbereitungswochen biegt der 24-Jährige auf die Zielgerade ein, absolviert gerade seinen letzten Ausdauer-Block und brennt auf sein persönliches Wettkampf-Comeback.

Auch wenn sich der Steirer im Kletterzentrum Innsbruck wohl einer neuen, aber äußerst reizvollen, Herausforderung stellen muss, ist die Vorfreude auf das kommende internationale Kräftemessen bereits sehr groß.

 

Wie sind die letzten Trainingswochen für dich gelaufen?
Angelino Zeller: Die letzten Wochen sind sehr gut abgelaufen. Ich konnte alle Trainings regelmäßig und wie geplant durchführen. In der Regel habe ich drei Seil-Einheiten sowie ein Krafttraining pro Woche absolviert. Darüber hinaus sind noch zwei Ausgleichstrainings dazugekommen. Es war zwar sehr intensiv, aber es ist ordentlich etwas weitergegangen. Ich bin jetzt schon sehr gespannt auf den Weltcup, die Vorfreude ist schon echt groß.

 

Hast du spezielle Schwerpunkte in der Vorbereitung gesetzt?
Zeller: Am Anfang stand ein klassischer Konditionsblock auf dem Programm. Wir haben versucht alle Bereiche behutsam aufzubauen, ehe wir in den Trainingsblock Maximalkraft übergegangen sind. Dabei absolviert man beispielsweise Klimmzüge mit dem maximalen Gewicht, auch an der Leiste. Die Belastungen sind kurz, aber dafür umso intensiver. Seit letzter Woche sind wir in den letzten Zyklus im Bereich der Ausdauer übergegangen und machen einige Intervalleinheiten. Das wird jetzt bis zu den Wettkämpfen durchgezogen. Dann sollte ich ideal vorbereitet sein!

 

In knapp einem Monat wartet der Heimweltcup in Innsbruck. Du hast im Kletterzentrum Innsbruck immer starke Leistungen gezeigt, woran liegt das?
Zeller: Die Wände mit dem mächtigen Überhang sind in Innsbruck sehr speziell. Das gibt es nicht bei jeder Veranstaltung. Ich trainiere oft im Kletterzentrum Innsbruck, von daher ist der Weltcup an der „Heimwand“ immer etwas Besonderes. Von Seiten des Kletterverbandes sind die Heimevents immer super organisiert, gut durchdacht und es läuft immer so gut wie ohne Probleme ab. Das kommt uns Athleten natürlich immer entgegen und wir wissen das sehr zu schätzen. Das ist nicht bei allen Veranstaltungen so. Daher ist es auch für internationale Sportlerinnen und Sportler ein Highlight, wenn sie nach Österreich kommen können.

 

Bouldern, Lead und Paraclimbing werden als Weltcup, Speed als Europacup kompakt innerhalb eines Events organisiert. Was hältst du vom Heimweltcup in dieser Dimension?
Zeller: Es ist richtig lässig. Mir taugt das, wenn alle Disziplinen an einem Ort durchgeführt werden. Normalerweise ist das leider sehr verstreut. Wir Paraclimber verstehen uns mit den heimischen Spezialistinnen und Spezialisten sehr gut, aber auch auf internationaler Ebene gibt es einige Freundschaften. Ich freue mich auf den Austausch, und dass wir uns gegenseitig unterstützen und anfeuern können. Es ist für uns Sportler einfach ein anderes Gefühl, wenn sich vor der Wand etwas rührt und man lautstark angefeuert wird. Es gibt zwar heuer wohl keine Zuschauer, aber die vielen Sportlerinnen und Sportler werden schon für eine tolle Atmosphäre sorgen, die einfach von der Dynamik und den Emotionen lebt.

 

Man kann sozusagen von einem klassischen Heimvorteil sprechen?
Zeller: Man kennt die Wandhöhe beziehungsweise die Neigung sehr gut und kann demnach gut abschätzen, wie es einem körperlich geht und man weiß es richtig einzuordnen. Bei uns Rollstuhlfahrern wird es im Juni in Innsbruck dann aber noch einmal spezieller, da es ja verschiedene Klassen gibt. Je Kategorie muss es eine bestimmte Anzahl an Athleten aus mehreren Nationen geben, dass sie zustande kommt und eine eigene Route geschraubt wird.

 

Hast du Zweifel?
Zeller: Bei uns gibt es gerade das Problem, dass einige Nationen nicht zum Weltcup kommen werden, da es mit den Ein- und Ausreisebestimmungen nicht in allen Ländern einfach umsetzbar ist. Das ist sehr schade, da wir dadurch wohl keine eigene Route im Überhang bekommen werden. Dementsprechend gehen wir aktuell davon aus, dass wir bei den Menschen mit einer neurologischen Erkrankung mitklettern werden. Das wird eine echte Herausforderung, mit Menschen, die gehen können, mitklettern zu müssen, noch dazu auf einer flacheren Wand. Wir brauchen den Überhang, damit unsere Beine nicht an der Wand schleifen, das wird bei der flachen Wand für uns etwas problematisch. Aber ich bin überzeugt, dass die Routenbauer eine Kompromisslösung finden werden, sollte es so kommen.

 

Wie siehst du deine Chancen, sollten die Kategorien wirklich zusammengelegt werden?
Zeller: In den letzten Bewerben bin ich in dieser zusammengelegten Kategorie schon ein paar Mal haarscharf am Finale vorbeigeklettert. Ich habe in den letzten Wochen einen guten Schritt vorwärts gemacht, daher traue ich es mir in Innsbruck definitiv zu, ins Finale zukommen. In der Vergangenheit habe ich mich immer etwas darüber geärgert, sehe es jetzt aber als große Chance und Herausforderung, um bei den „Gehern" ganz vorne mitzuklettern – dieser Reiz motiviert mich zusätzlich. Wichtig ist aber, das Beste daraus zu machen und das Optimum aus der Situation herauszuholen.

 

Wie es aussieht, wird der direkte internationale Vergleich wegfallen. Kannst du trotzdem einschätzen, wo du aktuell stehst?
Zeller: Natürlich wäre es mir lieber gewesen, mich in meiner Kategorie mit den anderen Kletterern messen zu können. Aber ich glaube trotzdem, dass ich sehr gut dabei bin, was das internationale Niveau betrifft. Ich habe nach meinem Weltmeistertitel in allen Bereichen ordentlich zugelegt, bin definitiv noch fitter geworden und habe viele wichtige Schritte nach vorne gemacht – das stimmt mich in Hinblick auf die Weltmeisterschaft sehr zuversichtlich. Einige Fragezeichen bleiben jedoch bestehen: Es gibt einige Japaner und US-Amerikaner, die nun neu am Start sind. Das ist aktuell schwer einzuordnen, ob die auch gleich vorne mitklettern können. Wichtig ist, dass unsere Kategorie, was die Athleten betrifft, stark wächst und das Niveau dadurch auch steigt. Bei der Weltmeisterschaft wird das spannend, da werden wohl die Karten erstmals komplett auf den Tisch gelegt.

 

Die Verteidigung deines WM-Titels ist wohl eines der großen Jahresziele?
Zeller: Natürlich möchte ich meinen WM-Titel verteidigen, habe aber auch das eine oder andere Projekt am Felsen, dass sich immer mehr verwirklicht. In Frankreich beziehungsweise an der italienischen Grenze gibt es eine 8a+-Route, die ich gerne durchhangeln möchte. Die Vorbereitungen laufen und der Plan ist, dass ich da von einem Filmteam begleitet werde. Aber in erster Linie liegt heuer der Fokus auf den Wettkämpfen und der Weltmeisterschaft. Und dann lasse ich mich überraschen, was sich sonst noch ausgeht in diesem Jahr.

 

Danke für das Gespräch, Angelino! 

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