Katharina Saurwein holt Platz 2 beim Weltcup Saisonauftakt.

International

Am 07. und 08. April fand in Meiringen (SUI) der erste Boulder Weltcup der Saison 2017 statt. Katharina Saurwein (ÖAV Innsbruck / TIR) gelang mit dem zweiten Platz in einem extrem starken Teilnehmerfeld eine faustdicke Überraschung. Die Gewinner nach einem sehr spannenden Wettkampf hießen Shauna Coxsey (GBR) und Kokoro Fujii (JPN). Der Weltverband IFSC hatte zwei Tage vor dem Saisonauftakt mit der kurzfristigen Bekanntgabe eines exklusiven Pay-Streaming Deals für weltweiten Unmut in der Kletter-Community gesorgt.

alle Bilder: (c) H. Wihelm

Meiringen (SUI): Unweit der bekannten Eiger Nordwand, einem Schauplatz unzähliger Dramen der Klettergeschichte, ging heute in Meiringen (SUI) der erste Boulder Weltcup der Saison zu Ende. Seit Monaten fieberten die AthletInnen und Fans aus aller Welt dem Auftakt entgegen und einigen war anzumerken, wie sehr sie sich freuten, die Karten endlich auf den Tisch zu legen.

Paywall beim Livestream sorgt für Eklat

Vor zwei Tagen ging eine Pressemitteilung des Weltverbandes raus und die Bombe platzte: Der Live Stream im Internet, welcher der weltweiten Klettergemeinschaft erlaubte die Wettkämpfe zu verfolgen und den Athleten wichtige Sichtbarkeit verschaffte, würde ab sofort kostenpflichtig sein. Michael Schöpf, Sportmanager des Kletterverband Österreich, kritisierte die Entscheidung aufs Schärfste: "Wir lassen uns das als Nationalverband sicher nicht gefallen. Es ist die denkbar schlechteste Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt. Wir arbeiten daran, dass dieser Schritt zurückgenommen wird." Viele (KVÖ-)AthletInnen äußerten ebenfalls ihre Ablehnung gegenüber dieser Entscheidung. Schon bei der Eröffnungsfeier kam es zum symbolischen Protest als alle Weltcup-TeilnehmerInnen der IFSC eine rote Karte engegenhielten.

Als die Qualifikation schon in Gange war, knickte der Weltverband schließlich ein: Ein gratis Live Stream für den Wettkampf wurde angekündigt, man "will die Sache überdenken". Gelöst ist das Problem dadurch nicht, aber wenigstens wurde ein Boykott gleich zu Saisonauftakt verhindert.

Ordentliche Leistungen bei den Herren werden nicht belohnt

Mit besonders guter Form im Gepäck war Anna Stöhr (ÖAV Innsbruck / TIR) angereist. Auf eine starke Vorstellung beim StudioBloc Masters in Pfungstadt (GER) war am vergangenen Wochenende eine Ausnahmeleistung am Fels in der Schweiz gefolgt. Auch für Jakob Schubert bedeutete der Wettkampf den Wiedereinstieg in den Boulderweltcup nachdem er sich letztes Jahr ausschließlich auf den Vorstieg konzentriert hatte. Nach eigener Aussage hatte er in den letzten Jahren aufgrund der Fokussierung auf den Vorstieg im Bouldern ein wenig den Anschluss an die Weltspitze verloren und will auch in Hinblick auf Olympia wieder zu den besten Boulderern der Welt aufschließen. 

In Meiringen gelang das noch nicht ganz. Jakob Schubert (ÖAV Innsbruck / TIR) wurde 23. und verpasste somit das Halbfinale der ersten 20. KVÖ-Sportdirektor Heiko Wilhelm fasste die Qualifikation der Herren so zusammen: "Der erste Wettkampf ist immer spannend, weil man sich erst mal orientieren muss. Jakob (Anm. Schubert) hat gezeigt, wie stark er derzeit ist. In dieser Runde wurde jedoch kein Fehler verziehen, und weil er bei einem Boulder etwas übersah, ist er ausgeschieden. Florian Klinger's Ergebnis (39. Platz) spiegelt seine Leistung nicht wieder, auch er präsentierte sich in sehr guter Verfassung." Das sah Klingler ähnlich: "Insgesamt bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Man hat in Graz gesehen, dass die Vorbereitung optimal war. Das habe ich jetzt noch mal bestätigt. National werden kleine Fehler vergeben, im Weltcup aber beinhart bestraft. Wenn wir da effiziennter werden, dann sieht´s gut aus!

Die weiteren KVÖ-Athleten verpassten größtenteils deutlich die Weltcup-Punkte. 

Der Japaner Kokoro Fujii gewann den Saisonauftakt vor Alexey Rubtsov (RUS) und seinem Landsmann Keita Watabe.

Überragende Leistung von Altmeisterin Katharina Saurwein

Katharina Saurwein qualifizierte sich als einzige Österreicherin für das Halbfinale, Katharina Posch scheiterte knapp mit Platz 25. Dass Kletterform und Ergebnis nicht immer zusammenpassen, hat Anna Stöhr erleben müssen: Sie bekam am Tag vor der Qualifikation eine Erkältung und beendete den Wettkampf auf dem 43. Rang. Die anderen österreichischen Damen verpassten ebenfalls die Weltcup-Punkte.

Katharina Saurwein, mittlerweile in ihrer 15. Weltcup-Saison, gelang der Durchmarsch ins Finale, wo sie eine überragende Leistung zeigte. Bis zum letzten Boulder, einer technisch höchst anspruchsvollen Platte, lag sie auf Platz zwei, Coxsey hatte den Wettkampf zu dem Zeitpunkt schon gewonnen. In ihrem letzten Versuch scheiterte Saurwein knapp als sie den Top-Griff berührte, aber nicht halten konnte. Dadurch wurde es am Ende noch spannend. Weil ihre Konkurrentinnen um Platz 2 den letzten Boulder auch nicht schafften, beendete sie den Wettkampf mit einem Top-Ergebnis. Dritte wurde die junge Japanerin Miho Nonaka. 

Mit diesem Ergebnis habe ich nach den letzten Wochen, in denen ich mit einer hartnäckigen Erkältung immer wieder zu kämpfen hatte auf keinen Fall gerechnet. Vielleicht war das auch der Schlüssel zum Erfolg. Ich habe mir selbst keinen Druck auferlegt und wollte einfach nur gut klettern. Dass das nun Platz 2 zum Saisonauftakt bringt ist umso schöner. Mich freut die Platzierung auch für das Team, da wir alle uns gut vorbereitet haben!“ freut sich Katharina Saurwein über ihren hervorragenden Saisonauftakt.

Nächste Weltcup-Station: Chongqing (CHN)

Eine gute Woche bleibt den Athleten zum Verschnaufen, bevor es auf Asien-Reise geht. Dort stehen in drei Wochen drei Boulder Weltcups an, die erste Station am 22./23. April heißt Chongqing in Südwestchina. Um in Hinblick auf die Europameisterschaften in München (GER) im August Kraft zu sparen, wird Katharina Saurwein auf die Reise verzichten. „Mein Saisonziel ist ganz klar die Europameisterschaft im August in München. In meiner 15. Weltcupsaison wähle ich die Bewerbe bewusst aus, um zur rechten Zeit in Topform zu sein!

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Rückfragehinweis/Medienkontakt

Mag. Michael Schöpf

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