Der steinige Weg zurück

Die letzten Monate sind für Florian Klingler sicher anders verlaufen, als es sich der Boulder-Staatsmeister von 2018 vorgestellt hat.

Die Corona-Pandemie machte dem Wettkampfjahr 2020 einen dicken Strich durch die Rechnung, lediglich die vom Kletterverband Österreich organisierte „Summer Series“ sowie die österreichischen Staatmeisterschaften gingen über die Bühne. Und als alle AthletInnen voller Elan und einer hohen Erwartungshaltung in das Jahr 2021 starteten, verletzte sich Klingler im Jänner am rechten Knie: Einriss des Korbhenkels (Meniskus).

 

„Ich bin beim Klettern heruntergefallen und habe mich am rechten Knie verletzt. Wir haben sehr schnell in Hochrum eine MRT-Untersuchung gemacht, die Operation ist dann in Schwaz durchgeführt worden. Es ist alles sehr zufriedenstellend verlaufen und die Ärzte haben eine sehr gute Arbeit gemacht“, hat der 23-Jährige den ersten Schock schon verdaut. Nach einem Bruch der Wachstumsfuge im linken Mittelfinger (2013), einem Meniskus-Einriss im linken Knie (2016) sowie stark gezerrten Bändern am Ringfinger (2018) musste sich das Kletter-Kraftpaket nun mit einer weiteren sehr langwierigen Verletzung herumschlagen.

 

„Ich bin draufgekommen, was mir das Klettern überhaupt bedeutet“

 

„Ich habe die ersten sechs Wochen mit dem rechten Bein nicht auftreten dürfen. Das war sehr mühsam, aber ich habe mich voll und ganz auf meine Verletzung fokussiert und konsequent meine Therapien gemacht“, blickt Klingler zurück und ergänzt: „Mir war bewusst, dass ich mindestens sechs Monate pausieren muss. Ich wollte mir die Zeit geben, behutsam wieder an das Thema herangehen und keine Überbeanspruchung am Anfang riskieren.“ Momentan werden viele kleine Muskelgruppen trainiert. „Ich hoffe, dass ich gegenüber den anderen aufholen kann und dann mit den Füßen technisch besser aufgestellt bin.“

 

Mittlerweile hat der Tiroler seine ersten Trainings absolviert, agiert weiterhin vorsichtig sowie sensibel und hat den Belastungsumfang wieder etwas zurückschrauben müssen. Aktuell ist Bouldern auf der Holzwand angesagt. „Ich habe da ein besseres Gefühl, kann nicht blöd herunterfallen und muss keine Sprünge machen. Es ist eher ein statisches Training, das hilft mir momentan und tut mir gut.“ Über den Zeitpunkt seiner Rückkehr ist sich der 23-Jährige noch nicht ganz im Klaren. Zum einen ist man im Wettkampf höheren Belastungen ausgesetzt, zum anderen muss Klingler das volle Vertrauen in seinen Körper zurückbekommen und den Kopf frei haben. „Ich habe mit den Trainern einmal über eine Rückkehr bei den Österreichischen Meisterschaften im Sommer gesprochen – mal abwarten, wie sich die nächsten Wochen entwickeln. Eines hat mir die Verletzung aber bis jetzt definitiv aufgezeigt und meinen Blickwinkel geschärft: Ich bin draufgekommen, was mir das Klettern überhaupt bedeutet, und dass ich das weiter tun möchte. Es macht mir unglaublich Spaß und fühlt sich richtig an“, hat der Boulder-Staatsmeister von 2018 bereits wieder ein Funkeln in den Augen.

 

In der Ruhe liegt die Kraft

 

Und eines ist gewiss: Im Felsklettern wird der Tiroler auch 2021 im Zillertal wieder seine Ruhe finden und Kraft für die Zukunft schöpfen: „Es daugt mir total. Ich bin meistens alleine unterwegs und genieße die Ruhe, lasse alles auf mich wirken. Der Prozess macht es einfach aus. Zuerst einen Boulder, der einem gefällt, finden, dann die Matten hintragen und die Bedingungen in Ruhe checken. Erst dann wird das jeweilige Projekt in Angriff genommen.“

 

So wie sich Klingler 2019 „verabschiedet“ hat, möchte er 2021 zurückkehren. Frei nach dem Motto „Go climbing, get strong!“ wird er mit seiner Willensstärke und seiner Leidenschaft für den Sport seinen Weg zurück machen, auch wenn er oftmals steinig und etwas schwer sein wird. „Mein primäres Ziel ist es, dass ich wieder vollkommend fit werde und das Knie wieder voll belasten kann. Ich bin mir bewusst, dass es ein langer Prozess ist und ich geduldig sein muss. Man macht speziell beim Bouldern so viele Bewegungen mit dem Knie, wo man alles herausholen muss und sich am Limit bewegt. Das ist momentan noch nicht drinnen, aber ich bin zuversichtlich, dass ich wieder zu alter Stärke zurückfinden werde“, findet der 23-Jährige schöne Schlussworte.

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