"Habe gewusst, dass das Glück zurückkommt"

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„An Tagen wie diesen …“, dröhnte es am Münchner Königsplatz, nachdem sich Nicolai Užnik zum Boulder-Europameister gekürt hatte. Der seit kurzem 22-jährige Kärntner wusste nicht, wie ihm geschieht, war im ersten Moment sprachlos.

Die Stimme hat der Goldmedaillengewinner inzwischen wieder, im Interview spricht er über prominente Glückwünsche, kommende Aufgaben und die Olympischen Spiele 2024.

 

Nicolai, mit etwas Abstand: Wie hört es sich an, wenn man dich Europameister nennt?

 

Nicolai Užnik: Es fühlt sich immer noch ein bisschen surreal an. Die Freude ist nach wie vor riesengroß, ich kann es aber noch immer nicht ganz glauben. Auch die Art und Weise, wie das alles passiert ist…

 

Du sprichst die Finalrunde mit Krämpfen im Arm an?

 

Užnik: Genau, rückblickend war das unfassbar. Ich weiß noch, als ich mitten am Boulder einen Krampf im Arm hatte und mir gedacht habe, dass ich es einfach durchziehen muss. Gewisse Bewegungen waren nicht möglich, ich musste improvisieren. Vielleicht war das genau eines der Erfolgsgeheimnisse.

 

In den letzten Monaten ist einiges passiert, wie hast du sie erlebt?

 

Užnik: Zuerst die Schulterverletzung vor dem Weltcupstart, kurz dachte ich, die Saison ist gelaufen. Dann ist es doch gegangen und die Boulder-Saison hat gut begonnen, ich war im Weltcup wieder einmal auf Rang vier. Dann noch der vierte Platz bei den World Games, davon hatte ich echt schon genug. Das Glück war nicht auf meiner Seite, aber ich wusste, dass es einmal passen wird. Dass es jetzt beim großen Highlight der Saison passiert, habe ich mir gewünscht, aber nicht in dieser Form erwartet.

 

Was ist danach passiert? Hast du viele Nachrichten erhalten?

 

Užnik: Das kann man laut sagen. Das Handy ist übergegangen, es haben sich so viele Menschen gemeldet. Ich weiß aber, welche Glückwünsche mir am meisten bedeuten. Deswegen war es mir so wichtig, zuerst mit meiner Familie und meinen engen Freunden zu sprechen. In Kärnten dürfte es ohnehin abgegangen sein, bis zum Landeshauptmann haben wir alle gratuliert.

 

Und du hast in München sogar noch eine Medaillen-Chance…

 

Užnik: Genau, ich bin extrem happy, dass ich im Kombi-Finale bin. Nach dem Vorstieg hat es nicht so gut ausgesehen, umso cooler ist es, starten zu können. Zur Draufgabe ist Jakob (Schubert/Anm.) auch dabei, das ist ganz besonders. So oft waren wir noch nicht gemeinsam in einem Finale, die Vorfreude ist riesengroß.

 

Was rechnest du dir aus?

 

Užnik: Alle acht Starter haben Chancen auf die Medaillen, das ist klar. Ich muss es über die Boulder-Wertung machen, im Vorstieg werde ich es nicht rausreißen. Wenn mir eine sehr gute Boulder-Runde gelingt, ist vielleicht etwas drin. Die Top-Favoriten sind sicher andere, allen voran Adam Ondra und Jakob. Mein Ziel EM-Medaille habe ich ohnehin erreicht, daher gehe ich sehr entspannt in das Kombi-Finale.

 

Wie verbringst du die freien Tage in München bis zum Boulder&Lead-Bewerb am Donnerstag?

 

Užnik: Nach einer kurzen Auszeit hatten wir am Montag die Chance, beim Beachvolleyball zuzusehen. Das war richtig cool, eine Mega-Stimmung. Es ist ja direkt neben unserem Venue, leider haben die Österreicherinnen verloren. Am Dienstag werden wir trainieren, leichtes Aktivieren für Donnerstag.

 

Du warst 2018 bei Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires, in diesem Jahr bei den World Games und jetzt bei den European Championships. Macht das Lust auf ein anderes Mehrsport-Event, Stichwort Paris 2024?

 

Užnik: Ich bin grundsätzlich sehr sportbegeistert und sehe mir andere Sportarten an, daher sind Events dieser Art sehr cool für mich. Die Olympischen Spiele sind das Ziel, dazu muss ich im Lead aber sicher besser werden. Das ist eine Aufgabe, die ich in den nächsten Monaten angehen werde. Paris 2024 wäre schon genial, aber ich weiß, wie hart die Qualifikation ist. Ich will nicht zu weit in die Zukunft denken, es steht bis dahin noch viel an. Allen voran noch ein EM-Bewerb in München.

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