"Sehe mich als Prozess-Optimierer"

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Schneller, höher, stärker. Speziell „höher“ wird es bei den Olympischen Spielen in Tokio mit Sicherheit, wenn Sportklettern seine olympische Premiere feiert.

Kilian Fischhuber, Europameister und zweifacher Vize-Weltmeister, wird den Meilenstein genau verfolgen – und zwar als Trainer. Im Interview mit dem Olympia Report spricht der KVÖ-Coach über die historische Premiere, Medaillen-Chancen, seine Trainer-Karriere und vieles mehr.

 

Sportklettern feiert in Tokio olympische Premiere. Wie wichtig ist dieser Schritt?

 

Kilian Fischhuber: Eine Aufnahme war schon 2006 Thema, als ich selbst noch aktiv war. Es hat einfach noch einige Schritte gebraucht, der internationale Kletterverband ist jetzt wesentlich besser aufgestellt. In der Szene sind alle begeistert, dass es in Tokio soweit ist. Man merkt es schon jetzt: Die mediale Aufmerksamkeit ist wesentlich größer, die Akzeptanz bei Sport-Fans wird immer mehr – in der Wahrnehmung ist es ein riesiger Unterschied. Olympische Spiele haben eine riesengroße Bedeutung, das spüren wir alle schon jetzt.

 

Mit Jessica Pilz und Jakob Schubert werden in Tokio zwei Weltmeister für Österreich in Tokio starten. Wie stehen ihre Chancen?

 

Fischhuber: Ihr Ziel ist sicher eine Medaille. Jakob kommuniziert das ganz klar, ihm macht die Favoritenrolle nichts aus. Schon als Kind hat er davon geträumt, dass Klettern olympisch wird, jetzt will er seine Karriere mit einer Olympia-Medaille krönen. Jessica zählt ebenfalls zu den Mit-Favoritinnen, ist in diesem Jahr aber nicht so richtig in Fahrt gekommen. Jetzt gilt es, die Weichen so zu stellen, dass sie in Tokio topfit am Start steht. Es wird nicht leicht, da die internationale Konkurrenz stark ist und bei einem Wettkampf viel passieren kann. Aber Jakob und Jessy haben das Zeug dazu.

 

Hat die Verschiebung auf 2021 irgendwelche Auswirkungen?

 

Fischhuber: Jakob war schon ready für die Spiele in diesem Jahr und richtig heiß darauf. Er wird im Dezember 30 Jahre alt und zählt zu den älteren Weltklasse-Athleten im Feld. Doch er ist ein Kämpfer und total motiviert, das eine Jahr wird für ihn nichts ausmachen. Er arbeitet sehr akribisch, auch im Olympiazentrum Tirol mit Christoph Ebenbichler. Er will nichts dem Zufall überlassen.

 

Apropos nichts dem Zufall überlassen: Besonders an Olympischen Spielen ist dieser bekannte Tag X. Wie schafft man es, an diesem voll da zu sein?

 

Fischhuber: Es geht viel um Routinen und Abläufe. Wenn man mit dem Wissen in den Wettkampf startet, das Training bestmöglich absolviert zu haben, wird alles einfacher. Das gibt Sicherheit, wie gewisse Abläufe vor dem Wettkampf. Deshalb tun sich erfolgreiche Athletinnen und Athleten oft leichter, weil sie wissen, dass es bei ihnen bereits funktioniert hat.

 

Du warst Weltklasse-Wettkampfkletterer und bist jetzt KVÖ-Nationaltrainer. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

 

Fischhuber: 2014 habe ich meine Wettkampf-Karriere beendet und mich meinen Projekten zugewandt. Ich wollte in dieser Zeit bewusst Abstand vom Sportklettern gewinnen, war viel auf Fels unterwegs und habe das Geschehen kaum verfolgt. Irgendwann hat das Feuer aber wieder gelodert, auch mit dem Hinblick Olympische Spiele in Tokio. Ich kann nebenbei trotzdem meine Projekte machen, das ist mir sehr wichtig. Außerdem bin ich ja nicht auf mich alleine gestellt, wir haben ein großartiges Trainer-Team. Ich gehe meiner Leidenschaft nach, arbeite mit coolen und motivierten Leuten, die ich sehr schätze, in einem bestens aufgestellten Verband. Es ist ein Traum-Job.

 

Wie würdest du dich selbst als Trainer charakterisieren?

 

Fischhuber: Bei den Erwachsenen sehe ich mich mehr als Begleiter, Prozess-Optimierer, Ratgeber und Pädagogen, der die Gruppe unterstützt. Die Athletinnen und Athleten sind in diesem Bereich bereits „ausgeformt“, man kann nur noch an kleineren Schrauben drehen. Eine 180-Grad-Wende wäre sehr gefährlich, speziell vor einem Großereignis wie Olympischen Spielen. Bei Nachwuchs-AthletInnen kann man noch mehr bewirken. Bei allen ist mir wichtig, auf Augenhöhe zu agieren und viel mit den Sportlerinnen und Sportlern zu sprechen.

 

In Tokio feiert Sportklettern mit der Kombination die Olympia-Premiere. Wohin soll die Reise gehen?

 

Fischhuber: Die Kombination ist ein Mix aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed. Am liebsten wären mir drei Medaillen, weil jede Disziplin ganz andere Herausforderungen mit sich bringt. In Paris 2024 wird es dann einen Combined-Bewerb aus Lead und Bouldern geben, zusätzlich einen eigenen Speed-Bewerb. Das ist ein erster Schritt, aber eigentlich sollten in jeder Disziplin Medaillen vergeben werden, wie das bei Weltmeisterschaften der Fall ist. Für Paris bin ich zuversichtlich, wir haben einige Athletinnen und Athleten, die in Lead und Bouldern sehr gut sind. Zudem gibt es mit Tobias Plangger einen jungen Mann, der im Speed sensationelle Zeiten klettert. Generell gilt es, den Schwung von Tokio mitzunehmen und Sportklettern immer bekannter zu machen.

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