„Wohnzimmer“-Gespräch nach Sieg

Nach dem beeindruckenden Heimsieg von Nicolai Uznik beim Boulder-Europacup in Klagenfurt haben wir uns nach der Siegerehrung mit dem 20-Jährigen ein wenig unterhalten.

Du hast 2019 bereits einen Heim-Europacup in Innsbruck gewonnen, nun auch in Klagenfurt. Kann man sagen, dass dir Heimbewerbe liegen?

 

Uznik: Das kann man sicherlich so sagen. Es war nicht leicht, weil man sich daheim natürlich noch ein bisschen mehr Druck macht und die eigene Erwartungshalten größer ist. Deshalb bin ich umso mehr stolz, dass ich es geschafft habe, im Kopf ruhig zu bleiben und meine Leistung zu bringen. Das ist extrem cool. Der erste internationale Sieg vor zwei Jahren in Innsbruck war schon beindruckend, aber jetzt in meiner echten Heimat zu gewinnen, ist schon etwas sehr Spezielles.

 

Die Halle in Klagenfurt gibt es zwar noch nicht so lange, aber fühlt es sich ein wenig nach deinem Wohnzimmer an?

 

Uznik: Die Halle generell gibt es schon seit einigen Jahren. Der Bereich, in dem der Boulder-Europacup stattgefunden hat, ist vor knapp zwei Jahren dazu gekommen. Ich kann mich eigentlich an gar keine andere Halle erinnern, in der ich mehr trainiert habe in den letzten Jahren. Ich habe hier wirklich sehr viele Stunden verbracht.

 

Was hat den Ausschlag gegeben, dass es am vergangenen Wochenende so gut funktioniert hat?

 

Uznik: Ich glaube, der wichtigste Punkt war, dass ich im Kopf das richtige Mindset gehabt habe. Mir war bewusst, dass ich fit und richtig gut drauf bin – das habe ich in der Vorbereitung oftmals gezeigt. Ich habe mir fest vorgenommen ruhig in den Wettkampf zu gehen und mich nicht stressen zu lassen bzw. mir durch den Heimbewerb mehr Druck aufzuerlegen. Das ist mir, denke ich, ganz gut gelungen.

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp in deiner neuen Heimat Innsbruck, geht es relativ rasch in die Schweiz zum Weltcup-Auftakt. Wie groß ist die Vorfreude?

 

Uznik: Der Europacup in Klagenfurt war natürlich ein super Test und eine Bestätigung für die konsequente Arbeit der letzten Jahre. Ich bin natürlich voll motiviert und hoffe, dass ich an meine Leistungen anschließen kann. Mir ist bewusst, dass es nicht immer gut laufen kann – ich werde aber versuchen den Bewerb in Meiringen auch ruhig anzugehen und erneut eine gute Performance abzuliefern. Wir werden sehen, was rauskommt.

 

Wie wichtig ist es für dich, einen Athleten wie Jakob Schubert, der ja schon sehr viel gewonnen hat, an deiner Seite zu haben?

 

Uznik: Er ist brutal wichtig, nicht nur weil er ein so erfolgreicher Athlet ist. Wir verstehen uns echt gut und Jakob ist ein super Freund von mir. Ich kann so viel von ihm lernen und er pusht mich in jedem Training. Er war einer der Hauptgründe, warum ich nach Innsbruck übersiedelt bin – ich wollte einen so starken Trainingspartner haben. Ich kann ihn mittlerweile schon ganz gut fordern, aber wichtig ist, dass wir uns im Team super ergänzen.

 

Du hast es bereits angesprochen, dass ihr vom gemeinsamen Training viel profitieren könnt, aber was kann er beispielsweise von dir abschauen?

 

Uznik: Ich glaube, dass ich bei Bewegungs-Boulder bzw. bei koordinativen Platten oftmals ein wenig voraus bin – da hat er nicht unbedingt seine größten Stärken und findet nicht immer gleich den richtigen Ansatz. Das sind dann Kleinigkeiten, wo er sich hin und wieder was von mir abschauen kann.

 

Auch in puncto positiver Einstellung geht Jakob Schubert auch außerhalb des klassischen Kletterns voran. Wie siehst du das?

 

Uznik: Es geht nicht immer nur ums Klettern. Von der Einstellung und Herangehensweise her war und ist er definitiv für uns alle ein Idol. Ich versuche mir auch so viele Dinge von ihm abzuschauen. Wie geht man beispielsweise in einen Wettkampf? Wie geht man in gewissen Situationen um? Es hilft ungemein, dass man sich über alle Themen offen austauschen kann.

 

Du hast ihm jetzt schon ein paar Mal Kärnten gezeigt und ihn zu guten Kletterspots mitgenommen. Wie war‘s?

 

Uznik: Ja das stimmt, Jakob war jetzt schon ein paar Mal hier und ich glaube es hat ihm sehr viel Spaß gemacht. Es gibt bei uns viele tolle Klettergebiete. Da kennt er viele noch nicht. Von diesem Aspekt her ist das sicherlich sehr interessant und es lohnt sich für ein paar Tage nach Kärnten zu fahren, um ein paar Routen bzw. Boulder abzuarbeiten.

 

Die Olympischen Spiele in Tokio kommen für dich noch ein wenig zu früh, aber wie sehen deine Pläne in diese Richtung aus?

 

Uznik: Olympische Spiele sind natürlich ein langfristiges Ziel von mir, an denen ich gerne einmal teilnehmen möchte. Ich trainiere in letzter Zeit auch wieder viel Lead und merke, dass ich große Fortschritte gemacht habe. Früher war Lead meine Hauptdisziplin, ehe ich aufs Bouldern umgestiegen bin. Das neue Format in Paris (Lead und Bouldern) taugt mir richtig. Das ist jedenfalls eines meiner größten Ziele und mein Traum.

 

Es wirkt so, als ob euer junges Team mit dem Trainerteam super eingespielt ist?

 

Uznik: Ich kann mich nicht erinnern, dass der Teamspirit schon einmal so gut war, wie er aktuell ist. Es verstehen sich alle richtig gut, auch außerhalb vom Sport – da gibt es nie Probleme. Auch mit unseren Coaches Katha (Anm.: Saurwein) und Kili (Anm. Fischhuber) funktioniert das prima. Sie waren selbst sehr erfolgreich und können uns viele wertvolle Inputs geben. Bei den Trainings und den Wettkämpfen ist immer eine tolle Stimmung. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Bewerbe.

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