Para Climbing, Bouldern, Vorstieg. Mehr Entscheidungen in einer Woche gibt es im Klettern nur bei Weltmeisterschaften. In Sachen Emotionen gibt es wohl keinen Weltcup, der an Innsbruck herankommt. „Ich bin stolz Österreicher zu sein, Innsbrucker zu sein. Dieser Weltcup ist die absolute Benchmark – und das sage ich nicht, weil es mein Heimatort ist. Jeder Athlet kommt gerne hierher, alle genießen die Atmosphäre. Es ist einfach geil“, strahlte Jakob Schubert nach seinem Podestplatz im Vorstieg.
Die sechste Auflage im aktuellen Weltcup-Format hielt wieder einmal, was sie versprach: Weltklasse-Leistungen der Athlet:innen und Gänsehaut-Atmosphäre. Dennoch gibt es immer kleine Schrauben, an denen gedreht wird. In diesem Jahr sorgte beispielsweise die neue LED-Wall auf der Stage der Boulderwand für Begeisterung. „Für die Fans vor Ort ist das ein großer Mehrwert, wir wurden von vielen Leuten darauf angesprochen. Die LED-Wall hebt das Gesamterlebnis noch einmal auf eine nächste Stufe“, sagt Julia Pingerra, Weltcup-Verantwortliche im Kletterverband Österreich.
17.000 Zuseher:innen sorgen für Gänsehaut
Die 3.000 Zuseher:innen fassende Freiluft-Arena am Areal des Kletterzentrum Innsbruck war täglich prall gefüllt. Jene vier Sessions, für die Tickets benötigt wurden, waren ausverkauft. Dazu Tausende Leute bei freiem Eintritt untertags. Insgesamt bedeutete das mehr als 17.000 Fans während der Event-Woche. Auch das Rahmenprogramm mit Expo Area, Bike-Show von Tom Öhler und Talentcup sorgte für Begeisterung. Pinggera: „Die Zahlen sprechen für sich. Die Wochenpässe waren innerhalb von 30 Minuten ausverkauft, auch die Tagestickets waren schnell vergriffen.“
Möglich gemacht wurde das Erfolgsprojekt einmal mehr durch ein eingespieltes Event-Team, zahlreiche Volunteers und großen Einsatz. „Danke an das gesamte Team und alle, die mitgeholfen haben. Wie hier jeder seinen Beitrag leistet, um die Woche zu einem Erfolg zu machen, ist überwältigend“, spricht Pinggera ihrem Team ein Lob aus.
Garnbret: „Ich liebe Innsbruck“
Das Feedback der Athlet:innen? Bestnoten. Die zweifache Olympiasiegerin Janja Garnbret (SLO), die nur ausgewählte Weltcups bestreitet, ließ es sich nicht nehmen und kam in die Tiroler Landeshauptstadt. Die Slowenin sorgte am Sonntagabend im Vorstieg mit ihrem 50. Weltcupsieg für den krönenden Schlusspunkt und zeigte sich emotional. „Ich liebe Innsbruck, dieser Ort bringt immer das Beste aus mir heraus. Ich fühle die Kraft der Fans.“
Wie Garnbret zählt auch Tschechiens Superstar Adam Ondra zu jenen Athlet:innen, die nur ausgewählte Weltcups bestreiten. In diesem Jahr kam er nach Innsbruck, auch dank Kletter-Buddy Schubert. „Jakob erzählt mir immer, wie großartig der Weltcup in Innsbruck ist. Und ich muss sagen: Er hat recht. Die Stimmung, die Atmosphäre, die Fans – das hatte WM-Flair.“
Blick nach vorne
Der Heim-Weltcup bot auch zahlreichen österreichischen Athlet:innen die Möglichkeit, auf höchster Ebene Erfahrung zu sammeln. Jakob Rauter zeigte bei ihrem zweiten Weltcup mit dem Halbfinaleinzug im Bouldern auf, Timo Užnik mit seinem ersten Boulder-Halbfinale ebenfalls. Dazu kamen gelungene Weltcup-Debüts von Adrian Kathan (31. Bouldern) oder Christian Leitner (27. Vorstieg). KVÖ-Geschäftsführer Heiko Wilhelm: „Der Heim-Weltcup ist für unsere jungen Athlet:innen eine riesige Chance. Sie können sich vor heimischem Publikum mit der Weltelite messen, wertvolle Erfahrungen sammeln und erleben, was im internationalen Klettersport möglich ist. Genau solche Erfahrungen sind für ihre weitere Entwicklung enorm wichtig.“
Nach einer kleinen Verschnaufpause richtet sich der Blick der Verantwortlichen bereits nach vorne. „Die World Climbing Series Innsbruck 2026 hat einmal mehr gezeigt, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir haben ein Event auf höchstem internationalen Niveau erlebt, das bei Athlet:innen, Fans und Partner:innen gleichermaßen hervorragend angekommen ist. Die Organisation eines Weltcups bringt immer wieder Herausforderungen mit sich und ist auch in der Abstimmung mit dem Weltverband mitunter fordernd. Umso mehr freut es mich, dass Innsbruck erneut gezeigt hat, wie moderne Kletter-Events aussehen können. Genau diese Bühne braucht unser Sport, um sich weiterzuentwickeln und noch mehr Menschen zu begeistern“, so Wilhelm.

