Fišer sagt emotional Servus: Ein Abschied voller Dankbarkeit

Mit dem Ende der Lead-Qualifikation bei der World Climbing Series Innsbruck 2026 ging am Samstag nicht nur der erste Teil eines Wettkampfs zu Ende, sondern auch eine bemerkenswerte Karriere.

Julia Fišer absolvierte bei hochsommerlichen Temperaturen ihren letzten internationalen Auftritt im Nationalteam-Dress. Das Ergebnis – Rang 60 – spielte dabei nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt standen die Menschen, die Erinnerungen und die Emotionen eines Abschieds, der selbst die erfahrene Tirolerin überwältigte.

 

Fast 15 Jahre lang prägte Fišer den österreichischen Klettersport. Insgesamt absolvierte die Vorstiegsspezialistin 91 internationale Wettkämpfe, erreichte bei 49 Weltcup-Starts 29-mal das Semifinale und kletterte dreimal in die Top-10. Ihr größter sportlicher Moment gelang ausgerechnet in Innsbruck: Beim Heimweltcup 2024 verpasste sie als Neunte das Finale nur hauchdünn und sorgte mit dem besten Weltcup-Ergebnis ihrer Karriere für einen ihrer emotionalsten Sportmomente.

 

Dass ihr letzter Wettkampf ebenfalls in Innsbruck stattfinden würde, war kein Zufall. Nach einer intensiven Saison 2025 und vielen Jahren zwischen Spitzensport, Beruf und Alltag reifte der Entschluss, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Die World Climbing Series vor Familie, Freunden und langjährigen Wegbegleitern sollte den passenden Rahmen bilden.

 

Vom Wettkampf zur Verabschiedung

 

Lange Zeit gelang es Fišer, die Emotionen auszublenden. Auf der ersten Qualifikationsroute funktionierte alles wie gewohnt. „In der ersten Route hat sich alles noch ganz normal angefühlt. Ich war im Flow, habe gekämpft und einfach das gemacht, was ich mein ganzes Leben lang gemacht habe. Erst in der zweiten Route, als ich die Plakate gesehen und die Unterstützung von meinen Freunden gespürt habe, ist mir bewusst geworden, dass das heute wirklich mein letzter Wettkampf war.“

 

Was folgte, war ein Abschied, wie ihn sich kaum jemand schöner hätte ausmalen können. Bereits während ihrer zweiten Route machten zahlreiche Freunde und Wegbegleiter mit selbst gestalteten Schildern, Fotos und persönlichen Botschaften am Freiluft-Arena des Kletterzentrum Innsbruck auf sich aufmerksam. Die Tirolerin wurde von einer Welle der Wertschätzung getragen, die sie sichtlich bewegte.

 

Nach ihrem letzten Griff wartete schließlich die nächste Überraschung: Teamkolleg:innen, Freund:innen und langjährige Wegbegleiter:innen hatten sich versammelt, um Fišer gebührend zu verabschieden. Es wurde umarmt, gelacht und geweint, dazu wurde mit „alkoholfreiem Kindersekt“ auf eine außergewöhnliche Karriere angestoßen.

 

„Ein Teil von mir hätte sich kurz gewünscht, den Rücktritt einfach für mich zu behalten und noch einmal ganz normal einen Wettkampf zu klettern. Aber als ich gesehen habe, wie viele Menschen gekommen sind, um diesen Moment mit mir zu teilen, war das überwältigend. Diese Wertschätzung ist wahrscheinlich das schönste Geschenk, das man zum Karriereende bekommen kann.“

 

Besonders berührt zeigte sich Fišer von der nächsten Generation österreichischer Kletter:innen. Der Blick auf junge Athlet:innen wie Jakoba Rauter erinnerte sie an ihre eigenen Anfänge. „Die vergangenen Tage waren emotional unglaublich intensiv. Als ich die jungen Athlet:innen klettern gesehen habe, musste ich an meine eigenen Anfänge denken – und daran, wie viel Leidenschaft und Freude dieser Sport vermitteln kann. Zu erleben, dass jetzt eine neue Generation mit derselben Begeisterung nachkommt, macht mich fast genauso stolz wie meine eigene Karriere.“

 

Mehr als nur Ergebnisse

 

Der Leistungssport habe sie nicht nur als Athletin, sondern vor allem als Mensch geprägt. Dabei denkt die 29-Jährige besonders an ihre Familie, die sie über all die Jahre begleitet und unterstützt hat. „Meine Mutter hat sich immer gewünscht, dass ich ein weltoffener Mensch werde. Dafür bin ich meiner Familie unendlich dankbar, weil sie mich auf diesem Weg immer unterstützt haben. Der Klettersport hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Er hat mir gezeigt, wie wichtig Offenheit, Respekt und gegenseitige Wertschätzung sind, und hat mir Freundschaften auf der ganzen Welt geschenkt.“

 

Genau diese menschliche Seite des Sports wird für Fišer rückblickend wichtiger bleiben als jede Platzierung. „Medaillen und Ergebnisse sind das eine, aber am meisten bedeutet mir, welche Beziehungen in all den Jahren entstanden sind. Ich habe immer versucht, für meine Teamkolleg:innen da zu sein und etwas von meinen Erfahrungen weiterzugeben. Zu sehen, wie viel Wertschätzung dafür heute in geballter Form zurückkommt, ist für mich einer der schönsten Momente meiner gesamten Karriere.“

 

Dem Klettersport wird Julia Fišer auch in Zukunft erhalten bleiben. Wie genau ihre nächste Rolle aussehen wird, ist noch offen. Eines steht jedoch fest: Die Tirolerin verlässt die internationale Bühne mit großer Dankbarkeit, unzähligen Erinnerungen – und dem Gefühl, den richtigen Zeitpunkt für einen Neuanfang gefunden zu haben.

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